Wie ich einen neuen Sponsor gefunden habe

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Marc (36), wurde im Bereich Event Management gesponsert und lebt momentan in Perth, WA. Der gebürtige Hamburger ist 2013 mit seiner Freundin auf dem 457 Visum nach Australien eingereist, hatte aber viel Pech mit seinen Arbeitgebern. Er befindet sich nun schon zum zweiten Mal auf der Suche nach einem neuen Sponsor und die Zeit tickt…

Du bist ja jetzt seit etwas über einem Jahr in Australien. Was waren denn deine Beweggründe hierher zu kommen?

„Ich wollte einfach mal wieder raus, weg, was anderes machen und hatte auch keine Lust mehr auf den norddeutschen Winter.“

Marc: Mein Fokus war gar nicht so sehr nach Australien zu kommen, sondern mehr eine Arbeit in einem Land zu finden, in dem es wärmer ist und wo man die Nähe zum Meer hat. Ich hatte mich zum Beispiel auch für Jobs in Neuseeland und in Asien beworben. Dass es dann am Ende Australien geworden ist war eigentlich eher Zufall.

Das heisst du hast dich also von Deutschland aus auf Jobs in Australien beworben. Wie bist du denn genau an die Stelle gekommen in der du später gesponsert wurdest?

Marc: Ich habe einfach online nach Jobangeboten gesucht, zum Beispiel auf Seek.com.au und ähnlichen Jobportalen. Von Deutschland aus habe ich dann bestimmt an die 600 Bewerbungen verschickt. Dabei habe ich mich aber auch sehr breit beworben, nicht nur im Event Bereich sondern auch auf Vertriebsstellen.

Hast du dich zu dem Zeitpunkt schon schlau gemacht über Visums Optionen?

Marc: Ja ich habe es versucht, fand es aber im Vorfeld extrem schwierig sich einen Überblick zu verschaffen. Ich habe auch einen online Test gemacht, bin aber anfangs nie so richtig schlau geworden welche Visas nun wirklich für mich in Frage kommen und wie das mit den ganzen Kriterien ist.

Wie hast du dich am Ende für ein Visum entschieden und was hat dich die Beantragung gekostet?

Marc: Nachdem ich ein Telefoninterview mit einem Recruiter geführt hatte, hat sich herauskristallisiert, dass das 457 eine Option für mich wäre. Es ist wahrscheinlich auch das Visum, das denen am gängigsten ist. Eigentlich hat auch alles super geklappt. Ich hatte ein Skype Interview mit meinem späteren Arbeitgeber und kurz darauf sogar noch die Möglichkeit, ihn persönlich auf einer Messe in Frankfurt kennenzulernen. Es hat sich alles ganz gut für mich angehört. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er das komplette Visum zahlt und ich den Flug nach Australien übernehme.

Du hattest Anfangs also ein ganz gutes Gefühl mit deinem Arbeitgeber. Was für eine Firma war das denn genau und in welchem Bereich haben sie dich gesponsert?

Marc: Das war eine ziemlich kleine Firma in Perth, die mich als Event and Congress Organizer gesponsert haben. Die hatten auch einen Immigration Agent angeheuert, der aber nie wirklich zu erreichen war und bei dem ich das Gefühl hatte, dass er mir bei meinen Fragen nicht richtig weiterhelfen konnte. Naja, es hat im Endeffekt dann doch irgendwie funktioniert.

Wie lange hat es gedauert bis du das 457 vom Immigration Department bewilligt bekommen hast?

„Der komplette Prozess vom Erstkontakt mit meinem späteren Arbeitgeber, bis hin zur Visums Beantragung und Bewilligung, hat ungefähr 6 Monate gedauert.“

Du bist dann also direkt mit dem 457 nach Australien eingereist und hast sofort angefangen zu arbeiten?

Marc: Genau, die Firma hat sich im Laufe der Zeit aber etwas als Enttäuschung herausgestellt. Wir waren nur eine Handvoll Angestellte mit mir, zwei anderen Leuten die im Sales gearbeitet haben, meinem Chef und seiner Frau in der Buchhaltung. Am Anfang war es noch ganz in Ordnung, aber am Ende war ich eigentlich nur noch im Warenhaus und habe Lastwagen be- und entladen.

„Meine Arbeit hat überhaupt nicht mehr dem entsprochen, wofür ich ursprünglich angestellt worden bin.“

Ich habe oft 17 Stunden am Tag gearbeitet, ohne die Überstunden bezahlt zu bekommen. Nach einiger Zeit wollte ich mich etwas dagegen wehren und habe versucht in Erfahrung zu bringen, was ich machen kann. Mir waren aber die Hände gebunden und ich habe auch keinen Ansprechpartner, z.B. vom Government oder ähnliches, gefunden. Ich habe mit vielen Leuten von Legal Aid telefoniert, aber so richtig weiterhelfen konnten die mir auch nicht.

Als ich noch in Deutschland war, habe ich eigentlich gedacht, wenn ich nach Australien komme habe ich eine bessere Life-Work-Balance und würde weniger arbeiten. Ganz offensichtlich ist das bei mir dann aber nicht der Fall gewesen. Auch von fast allen deutschen Freunden habe ich oft gehört, dass sie hier tendenziell mehr arbeiten, als sie es in Deutschland getan haben. Teilweise nicht unbedingt weil sie es müssten, sondern weil sie es wollen. Sei es um mehr Geld zu verdienen, sich einen guten Namen zu machen, aus eigenem Qualitätsanspruch…

Das hört sich jetzt nicht nach dem optimalen Arbeitgeber an. Haben sie dich wenigstens fair bezahlt?  

Marc: Sie haben den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn erfüllt, aber sie haben mich dafür auch doppelt so viel arbeiten lassen. Wenn du hier herkommst hast du ja auch keine Ahnung von dem Land und was dich wie viel kostet. Wenn ich das jetzt so im Nachhinein betrachte, würde ich sagen es ist schon relativ schwierig, für zwei Leute (mich und meine Freundin) mit $65.000 im Jahr über die Runden zu kommen. Man freut sich natürlich, dass einem nicht ganz so viele Steuern abgezogen werden aber dafür sind die Lebensunterhaltskosten und Mieten wahnsinnig teuer hier. Gerade beim Feierabendbier* überlegt man dann auch gerne schon zwei Mal.

*Anmerkung für alle nicht in Australien Lebenden: Ein Bier im Pub kostet hier im Schnitt gute $10, in WA auch gerne mal $12-$15.

Du warst dann offensichtlich nicht wirklich glücklich mit der Firma die dich gesponsert hatte?  

Marc: So kann man das sagen, ich hab mich aber erst mal durchgebissen. Als mein Chef nach einem halben Jahr wollte, dass ich einen neuen Arbeitsvertrag unterschreibe, war ich mit einigen Neuerungen darin nicht einverstanden. Ich hatte ihm gesagt über welche Punkte des Vertrages ich gerne erst noch mit ihm reden würde, bevor ich unterzeichne. Kurz darauf hat er mich dann zur Seite genommen und mir gesagt, sie müssten mich leider “wegen wirtschaftlichen Gründen” entlassen.

Wow, mir fehlen gerade etwas die Worte. Hast du es dann geschafft in den vorgeschriebenen 90 Tagen einen neuen Arbeitgeber zu finden der dein 457 Visum übernommen hat?

Marc: Ja, ich habe es dann irgendwie geschafft mich in der Zeit über Wasser zu halten und einfach wieder angefangen, unglaublich viele Bewerbungen wegzuschicken. Schliesslich bin ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden, wo ich den Job auch bekommen habe.

„Ich denke ich hatte einfach Schwein so schnell einen neuen Sponsor zu finden, es hätte auch anders ausgehen können zu dem Zeitpunkt.“

Hast du in deinen Bewerbungen direkt erwähnt, dass du einen neuen Sponsor suchst der das 457 übernimmt, oder hast du das erst beim Vorstellungsgespräch zur Sprache gebracht?

Marc: Ich wollte ehrlich sein und hatte das direkt im Anschreiben erwähnt. Ich hatte auch meine gesamten Bewerbungsunterlagen professionell ‚australisieren‘ lassen was recht nützlich war.

Mir ist aufgefallen, dass es bei Arbeitgebern in Australien einen enormen Aufklärungsbedarf gibt, was das 457 angeht. Die Leute haben meistens keine Ahnung von dem Visum und solange du kein Permanent Resident oder Citizen bist, sind sie tendenziell eher dagegen. Auch wenn du schon auf einem 457 bist und nur eine ‚Übernahme‘ des Visums bräuchtest wirst du von Firmen wie ein Neubewerber behandelt. Sie setzen das 457 mit extremen Kosten für die Firma gleich, obwohl das so überhaupt nicht stimmt, schon gar nicht wenn eine Person schon auf einem 457 ist. Bei mir hat die Übertragung des Visums damals einen Monat gedauert.

Mit dem zweiten Sponsor ist es dann hoffentlich etwas besser gelaufen? 

Marc: Die zweite Firma war eine Catering Firma mit ca 15 Angestellten, also auch nicht besonders gross. Ich war bei denen als ‘Event and opportunity manager’ angestellt. Kurz gesagt hatte die Firma gute Aufträge und auch einen guten Ruf, aber intern keinerlei Business Know-How oder einen strukturierten Business Plan. Es war sehr schwer dort etwas zu bewegen, weil sie keine klare Hierarchie hatten. Bei vielen Dingen habe ich vergebens versucht, erst einmal eine gewisse Struktur in die Firma zu bringen. Nach ein paar Monaten wurde ich dann einfach irgendwann zu einem Meeting einberufen und meine Chefin hat mir nur gesagt, „You’re not performing, you’re fired.“ Da ist mir natürlich erst mal der Unterkiefer runtergeklappt. Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Ich wollte noch wissen aus welchem Grund, dazu hat sie mir dann aber nicht mal mehr eine Erklärung gegeben.

„Ich habe ja auch schon in anderen Ländern gearbeitet, aber noch nie so etwas wie in Australien erlebt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so brutal ist.“

Dann bist du jetzt gerade wieder auf Jobsuche? 

Marc: Ja, ich habe jetzt nur noch einen Monat, die Zeit wird also gerade wirklich extrem knapp. Meine Freundin und ich versuchen gerade herauszufinden, welche anderen Visas noch für uns in Frage kämen.

Hast du es dann im Endeffekt bereut, dass du mit einem 457 nach Australien gekommen bist?  

Marc: Ich bin tendenziell jemand der sowas nicht bereut, ich hatte ja auch viele sehr schöne Zeiten in Australien. Wenn ich jetzt theoretisch die Möglichkeit hätte die Zeit zurückzudrehen, würde ich nicht auf einem 457 einreisen. Ich hätte wahrscheinlich eher ein States Sponsorship oder etwas in der Richtung beantragt. Das Wissen hatte ich damals aber leider nicht, das 457 schien mir die beste Option zu der Zeit.

Das Problem beim 457 ist, dass man auf sich alleingestellt ist, wenn man ein Problem hat. Es gibt keine Instanz die einem wirklich helfen kann oder will. Wenn man seinen Job verliert hat man in den 90 Tagen, die einem bleiben um einen neuen Sponsor zu finden, ja nicht mal eine Arbeitserlaubnis und somit keine Möglichkeit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Jedenfalls nicht auf legalem Wege.

Hast du das Gefühl wenn du deine bisherigen Jobs in Australien mit denen in Deutschland vergleichst, dass du hier eher mehr oder eher weniger Geld am Ende des Tages übrig hast? Was hat sich für dich hier verbessert wenn du die Lebensqualität vergleichst?

Marc: Bei meinem ersten Job kann ich jetzt nicht wirklich behaupten mehr Geld übrig gehabt zu haben. Mein zweiter Job war aber mit $85,000 um einiges besser bezahlt. Damit ging es uns schon meilenweit besser als in Deutschland. Die Steuer frisst nicht so viel weg und wir wohnen hier in einem tollen Haus und nicht wie in Deutschland in einer 60 Quadratmeter Wohnung. Ganz zu schweigen vom besseren Wetter und meinem neuen Hobby, Camping, das ich hier für mich entdeckt habe.

Was wäre dein persönlicher Tipp für jemanden, der sich eventuell gerade überlegt ein 457 Visum zu beantragen oder versucht, einen Sponsor zu finden?

„Ich würde nur zum 457 raten wenn es keinerlei andere Option gibt. Nimm dir Zeit, vermeide Kurzschlusshandlungen und – das allerwichtigste überhaupt – informiere dich sehr, sehr gut über deinen Arbeitgeber. Wenn du in Australien einen Job finden willst, ist es auch extrem wichtig sich so weit es geht zu integrieren und zum Beispiel Clubs beizutreten, oder zu Networking Veranstaltungen zu gehen. Gerade in Western Australia läuft vieles über Kontakte. „

Marc: Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Erfahrungen mit dem 457 sehr branchenabhängig sind. Wenn man als Arzt oder Bauingenieur irgendwo anfängt ist das Risiko, an einen schrägen Arbeitgeber zu geraten, vielleicht geringer, als wenn man irgendwo in einer Marketing oder Medienagentur anfängt, wo man eventuell schneller ersetzbar ist.

Man muss hier einfach etwas vorsichtig sein, denn man ist zwar schnell angestellt aber dann – im Gegensatz zu Deutschland – auch ganz schnell wieder draussen.Man hat hier keine Sicherheiten. Als ich gekündigt worden bin musste ich sofort gehen und habe noch eine Woche lang Gehalt bekommen. Das wars dann. Da ist man in Deutschland mit dem Arbeitnehmerrecht schon verwöhnt.

About Author

Chrissy

Ich komme ursprünglich aus München und arbeite, wenn ich nicht gerade an dem RausnachAUS Blog schreibe, als Web Designer. Eine meiner grössten Leidenschaften ist das Reisen und ich lebe seit mittlerweile 4 Jahren in der europäisch(st)en Metropole Australiens, Melbourne.

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