Mit deutschen Autos zum besseren Lifestyle in Australien

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Thomas, 32, hat den Kontakt zu seinem späteren Sponsor bekommen, als er eines Nachmittags durch St Kilda (in Melbourne) spazierte. Er ist seit 2 1/2 Jahren auf dem 457 Visum und bewirbt jetzt gerade um eine permanente Aufenthaltserlaubnis.

Du bist ja jetzt schon seit über 4 Jahren in Australien. War es schon immer dein Traum in Down Under zu leben?

Thomas: Nein, es hat sich eigentlich im Laufe der Zeit einfach so ergeben, dass ich nach Australien gekommen bin. Ich hatte mal für ein Jahr in Kanada gelebt und dort sehr die Freiheit und die Natur genossen. Der Großteil meiner Freunde dort waren Australier und ich bin mit denen einfach unglaublich gut zurecht gekommen. Als ich dann zurück nach Deutschland gegangen bin, hat mich schnell wieder das Fernweh gepackt und ich habe überlegt, „Wo könnte ich denn jetzt hin?“. Die Frage war schnell erledigt.

Innerhalb von drei Monaten bin ich mit dem Working Holiday Visum nach Australien eingereist.

„Mir war ziemlich schnell klar, nachdem ich mich etwas in Sydney und Melbourne umgeschaut hatte, dass ich hier länger bleiben will.“

Nachdem ich für drei Monate auf einer Farm auf French Island gearbeitet habe, hatte ich das zweite Jahr Working Holiday in der Tasche und habe erst mal ein bißchen Urlaub gemacht und bin herum gereist. Zwischendurch habe ich auch als Pizza Bäcker gearbeitet, was ich irgendwie schon immer einmal machen wollte und mir damit einen kleinen Traum erfüllt.

Danach hab ich angefangen zu überlegen, welche Optionen es gibt, um längerfristig in Australien bleiben zu können. Es war recht schnell klar, dass ich dafür in meinen Beruf als Karosseriebauer zurück muss. Ab sofort war ich dann also auf der Suche nach einem Sponsor.

Wie und wo hast du deinen Arbeitgeber und späteren Sponsor gefunden?

Als ich eines Tages durch die Straßen von St Kilda gelaufen bin, habe ich einen Typen gesehen, der in einer Garage an einem Motorrad herumgeschraubt hat. Hier in Australien sind die Leute ja total offen, weshalb ich einfach zu ihm hingegangen bin und gefragt habe, was er so macht. Wir haben uns dann ganz nett unterhalten. Ich habe ihm meine Geschichte erzählt und auch erwähnt, dass ich auf Jobsuche bin und in Deutschland als Karosseriebauer gearbeitet habe. Er hat mir daraufhin einen Kontakt von einer Firma hier in Melbourne gegeben, die Porsche restaurieren.

Als ich dort angerufen habe, hatte ich den Eindruck, die fanden es ganz gut, dass ich aus Deutschland komme. Wir haben dann ein bißchen verhandelt und da sie mir keinen festen Vertrag geben wollten, habe ich ihnen vorgeschlagen, dass wir einfach erst einmal eine Woche lang zusammen arbeiten und danach nochmal reden.

„Eine Woche später saß ich dann bei denen im Personalbüro und wir haben geklärt, wie das mit dem Sponsorship klappen könnte.“

Hast du dich vorher schon online schlau gemacht, welche Visas für dich in Frage kommen und wie das läuft?

Thomas: Ehrlich gesagt habe ich mich online überhaupt nicht informiert, sondern mich nur mit vielen verschiedenen Leuten unterhalten. Natürlich hört man dann immer erst mal tausend Sachen und Meinungen. Über das 457 wusste ich also schon so grob Bescheid.

Die Firma und ich haben uns, als es ‘ernst’ wurde, einfach einen Immigration Agent gesucht. Mir war wichtig, dass der auch Deutsch sprechen kann und Ahnung von deutschen Schulabschlüssen und Ausbildungen hat. Ich habe zum Beispiel meinen Meister gemacht. Da weiß hier in Australien ja normalerweise keiner, was das genau ist.

Es gibt eine Government Webseite, auf der man eine Liste mit allen zertifizierten Einwanderungsanwälten finden kann. Dort habe ich mir einfach einen herausgesucht bei dem dabei stand ‘kann deutsch’ und habe ihn angerufen. Es war auf jeden Fall sehr hilfreich und die Visumsbeantragung war dadurch wesentlich einfacher zu handhaben.

„Ich würde jedem empfehlen, sich wenigstens einfach mal mit einem Migrationsanwalt zu unterhalten.“

Hat die Kosten dafür dein Firma übernommen?

Meine Firma hat damals den Anwalt und die kompletten Kosten für den Visumsantrag gezahlt.

War das bei dir auch so, dass du eigentlich nur ein Formular ausfüllen und eine Kopie von deinem Reisepass abgeben musstest?

Thomas: Nein, ich hatte definitiv mehr Arbeit. Ich musste den Englischtest machen, den IELTS, ein polizeiliches Führungszeugnis abgeben und so weiter. Mein Immigration Agent war da sehr genau und meinte es ist besser zu viel als zu wenig einzureichen.

Weißt du noch wie lange es gedauert hat, bis das 457 mit dem Anwalt durch war und du die Bestätigung hattest?

Thomas: Es waren ungefähr 3 Monate, so die Regelzeit. Eigentlich hat es anfangs nur etwas gedauert, bis man den ganzen Papierkram zusammen hatte. Ich musste dann auch noch viele Unterlagen übersetzen und beglaubigen lassen, wie zum Beispiel einige Sachen von meiner Ausbildung. Wir haben auch erst mal nur die Firma als Sponsor zertifizieren lassen und danach meinen Visums Antrag eingereicht.

In welcher Sparte hatte dich die Firma dann im Endeffekt genau gesponsert? Wie lautet zum Beispiel dein Job Title?

Thomas: Der Job nennt sich hier Panel Beater, also wortwörtlich jemand, der auf Blech herum klopft. Im Schwabenland sagt man dazu ja auch ‚Blechbatscher’… natürlich ist das kein ganz so offizieller Name. (lacht)

Meine Firma hier ist ein absoluter Glücksfall für mich. Mit nur drei Angestellten sind wir eigentlich sehr klein, sind aber eine direkte Tochtergesellschaft von einer größeren Firma mit circa 100 Leuten. Ich habe das Gefühl, die Arbeit macht dort allen einfach total Spass. Das Unternehmen restauriert Oldtimer, von dem her ist mein Job auch nicht etwas, das jeder macht, sondern schon eine Nische.

Wie lief das gehaltstechnisch bei dir? Wirst du fair bezahlt?

Thomas: Ja, auf jeden Fall, mein Gehalt ist relativ gut. Das Einzige, was ich in den letzten Jahren festgestellt habe ist, dass die Kosten um mich herum jährlich steigen, also zum Beispiel meine Miete, Strom und Wasser Kosten usw.

„Ich bin aber seit 2 1/2 Jahren auf dem gleichen Gehalt, weil ich durch das 457 keine besonders gute Verhandlungsposition habe.“

Ich würde jetzt bei uns nicht ins Personalbüro laufen und sagen, “Hey, ich will mehr Geld”.

Ich sage immer ganz gerne, man ist auf dem 457 ein bißchen so etwas wie ein ‘moderner Sklave’, weil man so abhängig von seiner Firma ist. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt nach 2 Jahren runter will von dem Visum, einfach um das Gefühl der Freiheit wieder zu haben: Kündigen zu können wann ich will ohne mir Gedanken machen zu müssen, dass ich aus dem Land raus muss, wenn ich innerhalb von 90 Tagen keinen neuen Sponsor gefunden habe. Die Freiheit zu haben selbständig zu sein. Auch wenn es meiner Firma gut geht und ich wahrscheinlich schon noch ein bißchen dort bleiben werde, ist es einfach besser, eine unbeschränkte Aufenthaltserlaubnis zu haben. Vor ein paar Monaten hatte ich endlich die geforderten 2 Jahre beim gleichen Arbeitgeber zusammen und habe den Visumsantrag fürs 186 (Permanent Employer Sponsored Visa) eingereicht.

Lässt du dir bei der Beantragung der Permanent Residency auch wieder von dem gleichen Anwalt wie damals helfen?

Thomas: Ja, genau. Da ich das erste Mal so gute Erfahrungen mit ihm gemacht hatte, habe ich mich entschieden, ihn auch diesmal wieder zu beauftragen. Wir haben den Visumsantrag vor 2 oder 3 Monaten abgeschickt. Momentan bin ich auf einem Bridging Visum und warte auf die Rückmeldung.

Wusstest du von vornherein, dass du über das 457 auch die Möglichkeit auf eine permanente Aufenthaltserlaubnis nach 2 Jahren beim gleichen Arbeitgeber hast?

Thomas: Ja, ich hatte mich mal darüber informiert, aber ich war damals noch nicht so weit, dass es mein Hauptziel gewesen wäre. Das hat sich jetzt hauptsächlich dadurch ergeben, dass ich eben mit dem Gedanken spiele mich selbständig zu machen und das geht auf dem 457 nicht. Dazu braucht man ein permanentes Visum.

Jetzt ist Melbourne ja erst vor ein paar Tagen zur Most liveable city 2014 ernannt worden. Hast du das Gefühl, es lebt sich in Australien besser als in Deutschland?

Thomas: Ja, auf jeden Fall. Ich habe einfach das Gefühl, ich kann hier in Australien machen was ich will und sein wer ich will. In Deutschland muss man immer weiter und höher kommen, alles wird hinterfragt. Das hört sich jetzt recht klischeehaft an, aber ich habe in den letzten Jahren auch gemerkt, worauf es wirklich ankommt: einfach für sich selber glücklich zu sein und sein Leben zu genießen. Ich bin nicht nach Australien gekommen um einen besseren Job zu finden, sondern weil der Lifestyle hier toll ist und zu mir passt.

Was ist dein persönlicher Tipp für Leute, die sich für das 457 Visum interessieren?

Thomas: Ich würde sagen, man sollte sich einfach eine gute Firma aussuchen, mit denen erst mal 2 oder 3 Wochen arbeiten und dann versuchen, mit ihnen zwecks Visum zu reden. Ich würde eher nicht mit der ‚Tür ins Haus fallen‘ und sofort vom 457 Sponsorship reden. Zeigt einfach erst einmal, was ihr könnt und macht euch unverzichtbar.

About Author

Chrissy

Ich komme ursprünglich aus München und arbeite, wenn ich nicht gerade an dem RausnachAUS Blog schreibe, als Web Designer. Eine meiner grössten Leidenschaften ist das Reisen und ich lebe seit mittlerweile 4 Jahren in der europäisch(st)en Metropole Australiens, Melbourne.

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