Übers Praktikum zum Sponsorship

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Katja (22) war während ihres Studiums für ein Auslandssemester in Australien. Bei ihrer Firma in Sydney hat sie in dieser Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ihr wurde daraufhin angeboten, direkt nach dem Studium über ein Sponsorship auf dem 457 Visum, zurück in das Unternehmen zu kommen. Als Digital Account Executive arbeitet sie nun im Bereich Marketing und erzählt euch in diesem Erfahrungsbericht, wie sie das alles hinbekommen hat und wie das Ganze abgelaufen ist.

Hallo Katja, wo kommst du denn ursprünglich her und was hast du studiert?

Katja: Ich bin in einem kleinen Städtchen im Herzen Niederbayerns aufgewachsen. Nach dem Abitur bin ich mit 18 nach Neu-Ulm gezogen, wo ich Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Neu-Ulm studiert habe. Mein Studium enthielt ein Praxissemester, welches im In- oder Ausland absolviert werden musste. Ich wusste seit dem ersten Semester, dass ich dieses in Australien absolvieren möchte.

Wie hattest du das Praktikum, das du 2013 bei der Firma in Sydney gemacht hast, gefunden?

Katja: Da die Praktikumskultur in Australien nicht so stark ausgeprägt ist wie in Deutschland und man auch ohne Beziehungen nur schwer an eine Stelle kommt, habe ich mich nach zahllosen erfolglosen Initiativbewerbungen schließlich an eine Agentur gewandt, die Praktika in Australien vermittelt. Diese hat mir das Praktikum bei Interactive Investor, der Schwesterfirma von Tick Yes, meiner jetzigen Firma, vorgeschlagen.

Für das Praktikum habe ich das Working Holiday Visum beantragt – im Nachhinein ein Verschwendung, da es für Praktika andere Visa gibt und ich letztlich nur ein halbes Jahr des Ein-Jahres-Visums nutzen konnte.

Warum wolltest du damals (2013) unbedingt nach Australien und nicht in ein anderes Land?

Katja: Australien hat mich schon immer fasziniert – das habe ich vermutlich von meiner Mutter, die sehr viel über Australien liest, aber selbst noch nicht dort war. Ich wusste, dass die Flora und Fauna hier unglaublich schön ist und auch auf die entspannte Lebenseinstellung war ich neugierig.

War das Praktikum bezahlt?

Katja: Das Praktikum war leider nicht bezahlt. Ich hab mir das halbe Jahr von meinen Ersparnissen und Stipendien finanziert.

Du musst die Firma ziemlich von dir überzeugt haben, denn sie haben dir ja direkt nach dem Praktikum eine Stelle angeboten. Wie lief das genau?

Katja: Nach ca. 3 Monaten Praktikum hat man mir eine bezahlte Stelle und ein Sponsorship (über ein 457 Visum) vorgeschlagen. Das war ein sehr verlockendes und auch schmeichelndes Angebot. Mir haben das Land und die Leute sehr gut gefallen, aber mir war bewusst, dass ich zuerst mein Studium abschließen musste. Außerdem konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht vorstellen für mehrere Jahre zu bleiben. Deshalb habe ich erst mal abgelehnt.

„Im Oktober 2014, gerade als mein letztes Semester begonnen hatte und ich anfing meine Bewerbungsunterlagen für Australien zusammenzustellen, erhielt ich eine Nachricht von meinem ehemaligen Chef, in der er mir eine Stelle für nach dem Studium anbot. Perfect timing sozusagen.“

Hat deine Firma sich um den ganzen Visumskram (also das 457 Visum) gekümmert oder lief es über einen Immigration Agent?

Katja: Ich musste mich selbst um sämtliche Visumsangelegenheiten kümmern und habe auch einige Dokumente für die Firma zusammengestellt. Das Unternehmen war nicht gewillt einen Immigration Agent zu bezahlen und ich konnte mir keinen leisten. Die Beantragung war sehr viel Arbeit und sehr nervenaufreibend, insbesondere weil ich nach der Einreichung länger als erwartet auf das Visum warten musste.

Es hat fast 3 Monate gedauert bis das Visum genehmigt war. Das war zu dieser Zeit die angegebene Höchstdauer

Musstest du Kosten fürs Visum tragen?

Katja: Das Visum besteht aus drei Teilen: Sponsorship Agreement, Nomination, Application. Erstere beiden beziehen sich auf die Firma und die Stelle, für die man gesponsert wird. Nur letzterer Teil bezieht sich auf den Antragsteller. Ich habe die Kosten für letzteren Teil getragen.

Weisst du noch welche Unterlagen du für die Beantragung des 457 Visums einreichen musstest und ob diese schwer zusammenzustellen waren?

Katja: Auf der Webseite des australischen Immigration Department gibt es ganz gute Checklisten die auflisten, welche Unterlagen man einreichen muss.

Als Bewerber musste man für die Application unter anderem einreichen:

  • Das ausgefüllte Online-Formular
  • Eine Kopie des Passes
  • Eine Bescheinigung der Krankenversicherung
  • Einen Lebenslauf
  • Das Hochschulabschlusszeugnis und andere Zeugnisse, die Fähigkeiten und Arbeitserfahrung belegen können
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Arbeitsvertrag

Hast du das Gefühl die Gehaltsverhandlungen sind fair abgelaufen und woher wusstest du, wie hoch du pokern sollst?

Katja: Es gibt ein Mindestgehalt für das 457 Visum. Bedenkt man, dass es mein erster Vollzeit-Job nach dem Studium ist und ich in einer Marketingagentur arbeite, die generell meist schlecht bezahlen, denke ich, dass mein Gehalt fair ist. Ich habe vorher aber auch online recherchiert und die Löhne unter Einbeziehung der Lebenshaltungskosten auch mit deutschen Gehältern in der Branche verglichen.

Was sind deine persönlichen Pläne, sagst du eventuell sogar du willst für immer in Australien bleiben oder kannst du dir vorstellen, in ein paar Jahren wieder zurück nach Deutschland zu gehen?

Katja: Momentan kann ich mir nicht vorstellen für immer in Australien zu bleiben. Da ich aber noch so jung bin, versuche ich das Beste aus meiner Zeit herauszuholen und viel persönliche als auch Arbeitserfahrung zu sammeln. In ein paar Jahren würde ich gerne wieder zurück nach Deutschland und eventuell meinen Master machen. Ich komme aus einer großen Familie und habe den Zusammenhalt immer sehr geschätzt. Das ist einer der Gründe, warum ich nicht für immer in Australien bleiben möchte.

Wie empfindest du die Lebensqualität für dich persönlich in Australien, verglichen mit Deutschland? Was ist besser, was fehlt dir?

Katja: Die Lebensqualität ist sehr ähnlich. Deutschland ist ein tolles Land mit hohen Standards. Ebenso Australien. Was mir an Australien gefällt, ist die entspannte Lebenseinstellung, die Strände und das Wetter. Als Deutsche treibt mich die no-worries-Einstellung der Aussies aber hin und wieder in den Wahnsinn. Was ich wirklich vermisse – wie vermutlich jeder Deutsche – ist deutsches Brot. Was frustriert sind die australischen Preise. Aber ich möchte die Erfahrung, am anderen Ende der Welt zu leben und die Gegend hier zu entdecken, definitiv nicht missen.

Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß – nirgendwo. Wir vermissen allzu häufig genau das, was wir nicht haben. Ich sehe meine Zeit hier als Lektion, das Positive in jeder Situation zu sehen und mit dem zufrieden zu sein, was man hat. Das fällt mir hier leichter als in Deutschland.

Kannst du das 457 Visum anderen Leuten empfehlen oder eher nicht? Was ist dein persönlicher Tipp für Leute, die sich darauf bewerben wollen?

Katja: Das 457 Visum ist eine sehr gute Möglichkeit, um Fuß in Australien zu fassen, da es zu einer Vollzeit-Beschäftigung berechtigt. Es ist wohl heutzutage auch eines der kostengünstigsten Visa in Australien mit Arbeitsrechten. Allerdings muss man sich im Klaren darüber sein, dass man gewissermaßen abhängig ist von seinem Arbeitgeber. Beendet dieser die Beschäftigung hat man keine Berechtigung mehr zu bleiben, außer man findet einen anderen Arbeitgeber, der das Sponsorship übernimmt. Auch ein Jobwechsel ist nicht so einfach, da Firmen Arbeitnehmer mit Permanent Residency bevorzugen.

About Author

Chrissy

Ich komme ursprünglich aus München und arbeite, wenn ich nicht gerade an dem RausnachAUS Blog schreibe, als Web Designer. Eine meiner grössten Leidenschaften ist das Reisen und ich lebe seit mittlerweile 4 Jahren in der europäisch(st)en Metropole Australiens, Melbourne.

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