Übersetzerin Ulrike Lechner

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Im Interview: Ulrike über ihren Job als Übersetzerin

Du bist ja jetzt schon seit über 20 Jahren als Übersetzerin tätig und vor 8 Jahren hast du dich damit selbstständig gemacht. Wie kam es, dass du gerade diese Berufsrichtung gewählt hast?

Ulrike: Da muss ich etwas ausholen. Eine meiner größten Leidenschaften war schon immer das Reisen, und zum Erkunden fremder Länder gehören natürlich auch immer andere Sprachen. Eigentlich hat mich mein Vater mit dem Reisefieber angesteckt, weil er als Erdkundelehrer tolle Bücher mit Bildern aus der ganzen Welt hatte. Ich war beeindruckt von den Löwen in Afrika, den Indianern im Amazonasgebiet und habe von den Niagarafällen und dem Ayers Rock geträumt. Mein Plan war es, alle diese Orte einmal zu erkunden.

Beruflich bin ich dann auch meiner Liebe zu Sprachen nachgegangen und habe den Studiengang Dolmetschen und Übersetzen für Englisch und Französisch belegt. Meinem Traum, irgendwann einmal die Welt zu erkunden, kam ich damit auch näher, weil ich wusste, mit Sprachen kann man eigentlich fast überall auf der Welt arbeiten.

Meinen Beruf habe ich bis heute beibehalten, weil es eben auch etwas ist, das ich gerne mache. Nur eines hat sich im Laufe der Zeit verändert: Ich habe mich selbstständig gemacht.


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Wie kam es denn dazu? Hat sich das einfach so ergeben?

Ulrike: Den Ausschlag gab ein deutscher Einwanderungsanwalt, der in Australien tätig war. Wir kannten uns ganz gut und er hat mich eines Tages gefragt, ob ich die Übersetzungen für seine Kunden übernehmen möchte. Ich musste mich dann erst einmal richtig einarbeiten und habe mir sämtliches Wissen angeeignet, was man sowohl formal als auch inhaltlich bei Übersetzungen für Australien-Auswanderer wissen muss.

Damit hatte ich eine Möglichkeit, mich langsam an die Selbstständigkeit heranzutasten. Nebenbei habe ich anfangs auch noch ganz normal in meiner Festanstellung weitergearbeitet und die freiberuflichen Aufträge nebenher erledigt. Das hat sich im Laufe der Zeit allerdings so gehäuft, dass ich mich 2009 dazu entschlossen habe, mich komplett selbstständig zu machen.

Es war nicht einfach, aber ich hatte – und habe auch immer noch – jede Menge Freude dabei. Inzwischen übersetze ich auch für Kunden, die in andere Länder auswandern möchten, aber ich arbeite immer noch am liebsten mit Dokumenten, die speziell für Australien gedacht sind.

Was gefällt dir denn besonders gut an deinem Job?

Ulrike: Vor allem der direkte Draht zu meinen Kunden, der die an sich trockene Übersetzungsarbeit bunt macht, gefällt mir total gut. Viele sind sehr nett und halten Kontakt mit mir über ihre Einwanderung hinaus. Daher kenne ich inzwischen fast überall in Australien jemanden. Es ist auch einfach schön zu wissen, dass ich ihnen hier mit einem kleinen Schritt bei der Verwirklichung ihres Traums behilflich sein kann.

„Ich habe auch hohe, persönliche Anforderungen an meine Arbeit und freue mich darüber, wenn die Übersetzungen am Ende genauso schön aussehen wie die Vorlagen und ich die Unterlagen guten Gewissens verschicken kann.“

Gibt es ein Dokument, dass du besonders häufig für Leute übersetzt, die nach Australien auswandern wollen?

Ulrike: Für Kunden, die eine Berufsanerkennung beantragen möchten, sind es natürlich immer die Arbeits-, Ausbildungs- und Studienzeugnisse, Weiterbildungsnachweise sowie (auszugsweise) Gehaltsnachweise in Form von Lohnzetteln und Steuerbescheiden. Gerade hier fordern die Behörden in letzter Zeit mehr Nachweise ein als früher. Diese unterscheiden sich im Format und im Inhalt, es ist aber immer die gleiche Art von Dokumenten.

Sowohl für Leute, die ein 457 Visum beantragen möchten, als auch bei Visa, die eine permanente Aufenthaltserlaubnis beinhalten, kommen noch einige persönliche Unterlagen wie z.B. Geburtsurkunden und Führungszeugnisse hinzu.

Bei Kunden, die ein De-Facto Visum beantragen wollen und ihre Partnerschaft nachweisen müssen, sind es alle Arten von auszugsweisen Übersetzungen, z.B. gemeinsame Konten, Stromrechnungen, Reisebuchungen, Versicherungen, mitunter auch Scheidungsurkunden, etc.

Sind alle deine Übersetzungen automatisch beglaubigt? Machst du auch reine Beglaubigungen ohne Übersetzungen, falls jemand z.B. ein Dokument schon in englischer Sprache hat?

Ulrike: Wenn ich für Behörden und Arbeitgeber übersetze, müssen die Übersetzungen immer beglaubigt sein. Sie haben sonst keinen offiziellen Charakter und werden nicht amtlich anerkannt. Man kann in etwa sagen: Alles, was in Papierform vorliegt und mir als Scan geschickt wird, muss auch beglaubigt werden.

Fremdbeglaubigungen nehme ich nur vor, wenn die Dokumente bereits äußerst gut übersetzt sind und auch der vorgeschriebenen Form für beglaubigte Übersetzungen entsprechen. Ansonsten habe ich damit so viel Arbeit, dass eine Neuübersetzung mitunter schneller ist als die Korrektur und Anpassung.

Wie läuft das normalerweise wenn jemand eine Übersetzung von dir braucht? Geht die Einreichung der Dokumente online oder müssen sie dir im Original vorliegen, bevor zu starten kannst?

Ulrike: Um ein Angebot zu erstellen, benötige ich nur Scans der zu übersetzenden Unterlagen. Die schaue ich dann durch und schicke dem Kunden daraufhin ein detailliertes Angebot. Das ist alles recht unkompliziert und geht per E-Mail. Die beglaubigten Übersetzungen werden in Papierform und wahlweise vorab auch als Farbscans verschickt.

„Glücklicherweise akzeptieren die australischen Behörden, anders als die Behörden einiger anderer Länder, ganz offiziell beglaubigte Übersetzungen, die vom Scan angefertigt werden. Die Originale müssen mir also nicht vorliegen.“

Die einzige Ausnahme in Australien sind die medizinischen berufsanerkennenden Behörden. Seitdem hier durch gefälschte Unterlagen ein Arzt ins Land kam, der gar keiner war, sind diese Behörden sehr streng geworden. Hier muss der Kunde mir notariell beglaubigte Kopien schicken. Das gilt aber wie gesagt tatsächlich nur für diese Behörden.

Man hört ja immer davon, dass alle Übersetzungen von Dokumenten, die für australische Visaanträge bestimmt sind, von einem „NAATI certified translator“ übersetzt werden müssen. Inwiefern stimmt das, was bedeutet das genau?

Ulrike: Kurz gesagt müssen alle Übersetzungen für die australischen Behörden beglaubigt sein. Wenn man sie von einem in Australien tätigen Übersetzer anfertigen lässt, müssen sie NAATI-beglaubigt sein. NAATI steht dabei für „National Accreditation Authority for Translators and Interpreters“ und ist die australische Standard-Akkreditierung, die Übersetzer in Down Under haben müssen, um anerkannte Dokumente erstellen zu dürfen. Es ist sozusagen einfach nur die Bestätigung, dass dieser Übersetzer auch tatsächlich in Australien beglaubigte Übersetzungen anfertigen darf.

Alternativ kann man aber beglaubigte Übersetzungen auch in Deutschland anfertigen lassen. Da ich mein Büro in der Nähe von München habe, also keine australische, sondern eine in Deutschland vereidigte Übersetzerin bin, brauche ich die NAATI-Akkreditierung nicht, sondern habe das deutsche Pendant dazu: Ich bin Diplomübersetzerin, dazu öffentlich bestellt und beeidigt. Damit bin ich, wie vorhin schon erwähnt, auch ebenso für das australische Government berechtigt, Dokumente für den Gebrauch in Down Under zu übersetzen und zu beglaubigen. Ich bin auch NAATI-akkreditiert, allerdings für die Sprachrichtung Englisch-Deutsch, so dass ich die Übersetzungen für Australien nach den deutschen Richtlinien beglaubige.

„Auch wenn du dir jemanden in Australien suchst, der NAATI-Übersetzer ist, heißt das noch lange nicht, dass diese Person auch alle speziellen Anforderungen der australischen Behörden kennt. Deshalb ist es ratsam, sich einen Übersetzer zu suchen, der sich, so wie ich, tatsächlich auf die Erstellung von Dokumenten für die australischen Einwanderungsbehörden spezialisiert hat.“

Arbeitest du alleine oder mit Partnern?

Ulrike: Die Übersetzungen für Australien fertige ich selbst an. GermanyTS ist keine Agentur. Ich arbeite in einem Netzwerk, in dem wir uns fachlich immer wieder austauschen, um auf dem neuesten Stand der Dinge zu bleiben.

Wenn dich jemand beauftragt, wie funktioniert das mit der Zahlung? Wie machen es Leute, die z.B. schon in Australien sind und vielleicht kein deutsches Bankkonto mehr haben?

Ulrike: Üblicherweise schicke ich direkt nach Beauftragung eine Rechnung zur Banküberweisung. Wenn die Kunden schon in Australien sind und kein deutsches Bankkonto mehr haben, schicke ich auch gerne eine PayPal-Rechnung.

Um nochmal auf die Weltreise zurückzukommen, die du anfangs erwähnt hast… Hast du die inzwischen gemacht?

Ulrike: Ja, nach längerem Sparen bin ich 1991 endlich auf Weltreise gegangen. Damals war das noch etwas richtig Außergewöhnliches. Einfach mal so für längere Zeit zu verreisen war bei weitem nicht so gängig wie heute. Ich muss sagen, dass mich die sieben Monate, die ich unterwegs gewesen bin, sehr geprägt haben und ich kann jedem so eine Reise nur wünschen.

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About Author

Chrissy

Ich komme ursprünglich aus München und arbeite, wenn ich nicht gerade an dem RausnachAUS Blog schreibe, als Web Designer. Eine meiner grössten Leidenschaften ist das Reisen und ich lebe seit mittlerweile 4 Jahren in der europäisch(st)en Metropole Australiens, Melbourne.

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