Versetzung nach Australien samt Familie

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Christian (34) ist von seiner Firma auf Wunsch von Deutschland nach Australien, Perth versetzt worden… samt seiner Frau und zwei Kindern. Er ist als Management Consultant auf dem 457 Visum gesponsert worden, hat zwischenzeitlich den Arbeitgeber gewechselt und hat inzwischen die permanente Aufenthaltserlaubnis (Permanent Residency).

Du bist ja inzwischen schon auf einem ‘Permanent Resident’ Visum in Australien. Wie hat es dich ursprünglich nach Down Under verschlagen?

Christian: Ich habe mich in Australien verliebt als ich nach dem Zivildienst für sechs Monate mit einem Working Holiday Visum in Sydney und Melbourne war. Kein Wunder also, dass ich ein paar Jahre später bei meinem Arbeitgeber in Deutschland nachgefragt habe, ob es nicht möglich wäre, mich nach Australien zu versetzen. Zum einen kannte ich das Land ja bereits von dem Work & Travel Aufenthalt und zum anderen war 2010 die Zeit, als sich die Finanzkrise voll auf den Arbeitsmarkt auswirkte. Ich hatte zuvor schon längere Zeit im Ausland gearbeitet und studiert und wollte gerne wieder los. Meine Firma, eine große Unternehmensberatung, hatte auch einige Standorte in Australien.

„Ich habe dann einfach einige Büros direkt kontaktiert und gesagt, dass ich an einem Wechsel ins Ausland interessiert wäre.“

Als ich Kontakt mit den Niederlassungen in Kanada und Japan hatte, merkte ich ziemlich schnell, dass die Chancen dort schlecht standen. Neuseeland wäre eine Alternative gewesen. Im Endeffekt habe ich mich dann aber für die Niederlassung in Perth entschieden. Das gute Wetter dort war definitiv ein ausschlaggebender Punkt.

War die Firma, die dich nach AUS versetzt hat, eine deutsche Firma und wie gross war das Unternehmen?

Christian: Die Firma ist ein globales Unternehmen, das im Bereich Wirtschaftsprüfung und Managementberatung tätig ist. Es gibt hunderte Büros überall auf der Welt. Ich kenne die genauen Mitarbeiterzahlen nicht, es sind aber glaube ich 150.000 oder mehr. Meine offizielle Stellenbezeichnung dort war ‘Management Consultant’.

Bist du damals mit deiner Familie versetzt worden oder hast du die Reise nach Australien alleine angetreten? Hat sich deine Firma um den ganzen Visumkram gekümmert?

Christian: Ich bin mit meiner Frau und zwei Kindern von Deutschland nach Perth versetzt worden. Meine Firma hat sich um das Visum und Dinge wie die Krankenversicherung gekümmert.

„Es hat nur vier Wochen gedauert, dann war alles organisiert, ohne dass ich viel machen musste. Kurz darauf saßen wir auch schon im Flieger.“

Musstest du die Kosten fürs Visum tragen oder hat das dein Arbeitgeber übernommen?

Christian: Die Kosten für das Visum wurden von der Firma übernommen. Das sind ja nicht nur die reinen Visa-Kosten, es kommen ja noch die medizinischen Untersuchungen und so hinzu.

Was habt ihr denn mit euren ganzen Sachen gemacht, die ihr so in Deutschland hattet? Alles rübergeschifft? Mit einer Familie umzuziehen ist ja immer etwas anderes als wenn man das alleine angeht.

Christian: Wir haben keine Möbel mit nach Australien genommen, sondern alles in Deutschland verkauft. Die Sachen, die wir dann noch hatten, haben wir in Kisten gepackt und nach Australien geschickt. Das war viel zu wenig für einen Container, zudem geht der Versand per Post auch schneller. Ich glaube es waren rund 15 Pakete, die wir verschickt haben. Wir haben den ersten Monat erst mal eine möblierte Wohnung gemietet und sind dann in ein Haus gezogen.

Wurde dein Gehalt an australische Standards angepasst?

Christian: Ja, ich habe einen australischen Arbeitsvertrag bekommen. Entsprechend dann auch das australische Gehalt, wie die anderen lokalen Mitarbeiter.

Wie lange warst du dann bei deiner Firma bzw. hast in der gleichen Stelle gearbeitet in der du gesponsert wurdest?

Christian: Knapp anderthalb Jahre. Dann habe ich in ein Bergbauunternehmen gewechselt, weil ich die Stelle dort sehr interessant fand. Ich arbeite nun vor Ort in den Minen und auf Drill Rigs, die Erkundungsbohrungen im Outback machen. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und ich arbeite an Orten, die man auf eigene Faust gar nicht erreichen kann. Diese Woche arbeite ich beispielsweise auf einer kleinen Insel an der Nordwestküste Australiens, auf der Eisenerz abgebaut wird. Zwei Wochen zuvor wurde ich in einer riesigen Goldmine bei Kalgoorlie eingesetzt. Das ist natürlich ein drastischer Kontrast zu der Arbeit, die ich in Deutschland gemacht habe.

Ich nehme an, du hast den Arbeitgeber gewechselt, als du noch auf dem 457 warst? Wie hast du es geschafft einen neuen Sponsor zu finden bzw. wie bist du genau an den Job gekommen?

Christian: Ja, ich war zu der Zeit noch auf dem 457 Visum. Der Jobwechsel war aber relativ unspektakulär.

„Ich habe die Stellenanzeige gesehen und dort einfach angerufen. Das Unternehmen hat das Visum dann als neuer Sponsor übernommen und mich später dann auch für die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung (Permanent Residency) gesponsert.“

Welche Art von PR ist es genau, 186 employer nomination scheme?

Christian: Nein es ist das 187 Visum, mit der Bedingung, dass ich die nächsten zwei im regionalen Australien arbeite. Also nicht in Sydney, Brisbane oder Melbourne.

Wie lief das mit der Beantragung für die PR, hattest du einen Migration Agent dafür, wie lange hat es gedauert bist du es hattest?

Christian: Ich habe den PR Antrag online über die Website des Department of Immigration selbst gestellt. Die Formulare und der Prozess ist relativ selbsterklärend, weshalb ich keinen Migration Agent genutzt habe. Es gab auch keine Nachfragen vom Department. Sechs Wochen später hatte ich dann urplötzlich die Email mit der Bewilligung im Postfach.

Wie findest du die Lebensqualität für dich persönlich in Australien, verglichen mit Deutschland? Was ist besser, was fehlt dir? Welche Dinge gefallen dir in Australien, was treibt dich in den Wahnsinn?

Christian: Das kann man so kurz fast gar nicht beantworten! Arbeit und Freizeit haben in Australien eine ganz andere Qualität. Wir unternehmen hier zum Beispiel viel mehr draußen mit anderen Familien. In Deutschland haben wir Freunde eher zu Hause besucht, dann wurde im Garten gegrillt oder es wurden in der Weihnachtszeit mit den Kindern Plätzchen gebacken oder man ist bei Starbucks einen Kaffee trinken gegangen. Sowas halt.

„In Australien geht es zum Grillen schon mal mit dem Allradwagen über holprige Tracks an den Strand, es wird geangelt oder man verbringt das Wochenende mit Buschcamping.“

Auf der anderen Seite ist Australien vergleichsweise teuer und gerade in Perth wartet man oft mehr als eine Woche auf Onlinebestellungen, weil alles von der Ostküste aus versendet wird. Auch wenn man Ersatzteile für’s Auto oder den Computer oder sonstetwas braucht: was nicht vorrätig ist, auf das muss man tagelang warten.

Kannst du das 457 anderen Leuten empfehlen? Was ist dein persönlicher Tipp für Leute, die sich auf ein 457 bewerben wollen?

Christian: Ich hatte keine schlechten Erfahrungen mit dem 457, aber ich weiß, dass sich viele Leute mit dem Visum eingeengt fühlen (weil sie so sehr an den Arbeitgeber gebunden sind). Was ich im Nachhinein anders gemacht hätte: ich würde nach Erhalt des 457 Visums oder nach dem Ende der Probezeit im Unternehmen sofort den Antrag auf ein 186 Visum, also die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, stellen – über den Direct Entry Stream. Nicht erst zwei Jahre warten um den Transitional Stream zu nutzen und nicht über das vermeintlich einfachere 187 Visum gehen, sondern so schnell wie möglich die Permanent Residency über das 186 beantragen. 

Lest mehr von und über Christian auf seinem Blog Wildlife Crossing, auf dem er über das Leben und Arbeiten in Australien schreibt.

About Author

Chrissy

Ich komme ursprünglich aus München und arbeite, wenn ich nicht gerade an dem RausnachAUS Blog schreibe, als Web Designer. Eine meiner grössten Leidenschaften ist das Reisen und ich lebe seit mittlerweile 4 Jahren in der europäisch(st)en Metropole Australiens, Melbourne.

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