Wie ich zum 457 Visum kam

Shit – I need a proper job!

Da ich auch nach 2 Jahren Work and Travel noch nicht genug von Australien hatte, und man dieses Visum leider auch nur maximal 2 Jahre lang bekommt, musste ich mich nach Alternativen umsehen. Nachdem ich die Webseite vom Immigration Department einige Wochen lang durchforstet hatte stand eigentlich fest, dass nur ein Visum so richtig für mich in Frage kommt, das Temporary (Skilled) Work Visa – Subclass 457. Kurz gesagt hieß das, ich musste eine Firma finden, die mir eine feste Stelle anbietet und mich sponsert. Mir blieben noch 3 Monate um etwas zu finden und ich dachte mir, dass ich es einfach versuche.

Mein Gedanke war: „Wenn es klappt bleibe ich, ansonsten gehe ich zurück nach Deutschland oder eventuell England und überlege, wohin es als nächstes gehen soll.“

In meinem Kopf ist Deutschland irgendwie immer eine Art Fall Back Option, etwas, wohin man immer zurück kann, ein sicherer Hafen. Auch das ist etwas, das man eigentlich erst so richtig sieht, wenn man mal längere Zeit im Ausland war.

Um einen Job in Australien zu finden habe ich mir – typisch Deutsch – eine Liste mit verschiedenen Punkten gemacht, die ich dann einfach abarbeiten wollte. Ein Online Portfolio mit einigen Arbeitsbeispielen hatte ich schon und ich wusste inzwischen ja auch, dass hier relativ viel über Kontakte läuft. Einer der ersten Punkte auf meiner to-do Liste war deshalb, eine Visitenkarte zu gestalten, die ich Leuten persönlich in die Hand drücken kann.

Nachdem das getan war ging es daran, sie drucken zu lassen. Ich hatte keine Ahnung wo man in Melbourne eine gute Druckerei findet und habe beschlossen, einfach einmal bei Twitter in die Runde zu fragen, ob jemand einen Tipp hat. Direkt gefragt habe ich auch jemanden von einer Firma in Melbourne, bei der ich schon mal ein paar Tage lang als Freelancer gearbeitet hatte. Wie es der Zufall so wollte, wurde mir quasi im gleichen Atemzug mit der Empfehlung für eine Druckerei, auch ein Job angeboten.

Direct message conversation:

James: Are you still floating around Melbourne? How’s your workload, I’m on the look out for Mid/Senior UX/UI…

Chrissy: Yes I am still floating around Melbourne. Are you looking for a permanent UX/UI person?

James: We are indeed. Looking for a skilled UI designer with UX in mind.

Was soll ich dazu noch sagen? Das Leben geht manchmal seltsame Wege. Oder aber Twitter ist – wie auch im Erfahrungsbericht von Sandra und David beschrieben – ein wahnsinniger Türöffner, gerade im IT Bereich. Ganz großer Vorteil war natürlich auch, dass ich dort schon mal ein paar Tage als Freelancer gearbeitet hatte und mich die Firma daher schon kannte.

457 visa battle

Ich hatte der Firma von Anfang an ganz offen gesagt, dass sie mich sponsern müssen wenn sie wollen, dass ich längerfristig für sie arbeite. Es lief dann so ab, dass ich zwei Monate lang auf einer Art Probezeit war (contract work), bis sie sich entschieden haben das Visum anzugehen. Da mein Arbeitgeber damals auch noch kein zertifizierter Sponsor war, entschieden sie sich den kompletten Antrag dafür, plus meinen Visumsantrag, über einen Einwanderungsanwalt von TSS Immigration hier in Melbourne laufen zu lassen.

Das Ganze ging ohne jegliche Probleme und alles was ich dafür machen musste war ein Formular mit meinen Daten ausfüllen und eine Kopie von meinem Reisepass bereit zu stellen. Eine Woche bevor mein Working Holiday Visa ausgelaufen wäre, hat meine Firma meinen Visumsantrag fürs 457 beim Government eingereicht. Just in time. Für mich war das eine ziemlich nervenaufreibende Zeit und ich konnte es kaum glauben als keine zwei Wochen später schon die Bestätigung per Email kam:

Dear Christina,
we wish to confirm that your 457 visa has now been approved. 

WHAT!? Ich hatte es tatsächlich geschafft. Obwohl mir auch hier (wie auch bei meinem Second Year Working Holiday) einige Leute im Vorfeld gesagt hatten, dass ich mir nicht zu viele Hoffnungen machen sollte und, dass es wahrscheinlich extrem schwierig sein würde einen Sponsor zu finden. Mit Sicherheit war auch viel Glück dabei, aber ich hatte das Gefühl es half schon auch, dass ich versucht habe organisiert an die Sache heranzugehen und zum Beispiel auch ein online Portfolio mit Arbeitsbeispielen hatte. Nie aufgeben, Leute!

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