Mit dem De-Facto Partnervisum nach Australien

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Irina ist vor 14 Jahren nach Down Under ausgewandert, der Liebe wegen. Ein Leben ohne den Australier, den Sie eigentlich in Kanada kennengelernt hatte, konnte Sie sich nicht mehr vorstellen und hat deshalb kurz entschlossen Ihre Sachen gepackt. Heute lebt Sie mit Ihrer Familie im idyllischen Städtchen Esperance, an der Südküste von Western Australia.

Du bist ja jetzt schon fast 14 Jahre in Down Under. Eine lange Zeit. Wie kam es, dass es Dich gerade nach Australien verschlagen hat?

Irina: Also eigentlich wollte ich nach Kanada auswandern. Nach einem Studentenaustauschprogramm, bei dem ich 2 Monate in Kanada gearbeitet und dann 4 Wochen durchs Land gereist bin, habe ich festgestellt, dass es dort so nette Leute gibt und unendliche Weiten. In Deutschland gibt es einfach zu viele Menschen und das macht sie muffig. Fremde ignorieren einander. Überall, wo man hingeht sind Menschen, man ist nie alleine.

Bei meinem 2. Kanadabesuch habe ich mich dann aber in einen Aussie verliebt, der auch gerade durchs Land reiste.Meinen jetzigen Partner, Damon, habe ich in den Rocky Mountains, auf dem Whistler Mountain kennengelernt. Er ist mit einem Freund hochgewandert, ich mit einer Freundin und wir sind in der gleichen Seilbahn wieder heruntergefahren. Wir kamen ins Gespräch und das war’s!

Von Australien wusste ich damals noch nicht viel. Ich dachte, es ist dort immer heiß, es gibt jede Menge Krokodile und Mücken! Dann besuchte ich meinen Freund in Down Under und merkte, dass dieses Land auch freundliche Leute und unendliche Weiten vorweisen kann. Noch dazu ist Australien wärmer als Kanada. Super!

Wieso habt ihr Euch dann gerade für das De-Facto Visum entschieden?

Ich ging mit dem Working Holiday Visum nach Australien. Wir wollten testen, ob wir es nach einer 2-jährigen Fernbeziehung ein Jahr zusammen aushalten. Da ich gleich nach meinem Studium auswanderte und somit keine Arbeitserfahrungen in Deutschland sammeln konnte, kam das De-Facto Visum am ehesten für uns in Frage.

Wie lief das mit dem Visumsantrag, welche Dokumente habt ihr gebraucht und welche Voraussetzungen musstet ihr erfüllen?

Irina: Es waren so viele Dokumente erforderlich! Ich musste einen Gesundheitstest machen. Ich benötigte ein australisches und ein deutsches Führungszeugnis.

„Wir mussten nachweisen, dass wir vor der Antragstellung wie ein verheiratetes Ehepaar lebten.“

Dazu kamen noch Stellungnahmen von Freunden und Bekannten, die beweisen sollten, dass wir ein echtes Paar sind. Ich erstellte ein Testament mit Damon als Begünstigten und umgekehrt.

War etwas bei der Zusammenstellung der Dokumente besonders schwierig oder tricky?

Irina: Glücklicherweise haben wir eine nette deutsche Übersetzerin in Melbourne gefunden, die uns die Dokumente günstig übersetzt hat. Bei der Beglaubigung mussten wir zu einem Justice of the Peace. Wir hatten auch jede Menge Freunde und Bekannte, die uns gerne Referenzen schrieben. Das war ebenfalls kein Problem.

Nein, unser Problem sah ganz anders aus: Das Jahr vor der Visumbeantragung hatten wir nämlich keinen festen Wohnsitz. Also gab es keinen gemeinsamen Mietvertrag und keine Wasser- und Stromrechnungen, die für uns gemeinsam ausgestellt wurden. Damon hat mich zwar auf seinem Konto mit eintragen lassen, aber es war nicht ein richtiges, gemeinsam eröffnetes Konto. Wir reisten 6 Monate durchs Land und lebten den Rest der Zeit mit Damons Eltern.

Wir sammelten Quittungen von Zeltplätzen und zeigten Fotos von uns beiden an verschiedenen Urlaubsorten vor. Aber das reichte nicht. Demzufolge lief unser Interview nicht so gut, denn die Dame von der Einwanderungsbehörde fragte ständig nach mehr Beweisen. Wir waren uns sicher, dass der Antrag abgewiesen wird. Dann wurde ich aber ungeplant schwanger. Wir schickten einen Brief vom Arzt, der die Schwangerschaft bestätigte, an die Einwanderungsbehörde und ich erhielt daraufhin sofort mein Visum.

Irina und ihre Kids am Strand

Irina und ihre Kids am Strand in Esperance

Wie lange hat es circa gedauert, bis ihr alle Dokumente einreichungsfertig zusammen hattet?

Irina: Das waren bestimmt 2 bis 3 Monate.

Habt ihr alles alleine gemacht oder habt ihr euch einen Immigration Agent genommen?

Irina: Wenn man einigermaßen gut Englisch kann, dann benötigt man keinen Agenten, denn man kann alle Informationen im Internet finden. Es ist manchmal schwierig, alles auf der Webseite der Einwanderungsbehörde zu verstehen, aber ich hatte ja einen Aussie zur Hilfe. Alle unsere Informationen bekamen wir damals von der Webseite des australischen Immigration Departments.

Weißt du noch ungefähr was euch der Antrag gekostet hat?

Irina: Ich glaube, es waren damals etwa AUD 2000 inklusive Antragstellung für das Permanent Visa. Dazu muss man aber sagen, dass wir unseren Visumsantrag ja im Jahr 2002 eingereicht haben. Inzwischen ist die Gebühr für Partnervisas drastisch gestiegen.

Du hast das Visum ja von Australien aus beantragt. Durftest du in der Zwischenzeit auf dem Bridging Visum arbeiten?

Irina: Das Bridging Visum ist eine Verlängerung von dem Visum, das man gerade hat. Ich hatte das Working Holiday Visum, durfte also arbeiten. Mein Bridging Visum hatte die gleichen Bedingungen wie das Working Holiday Visum, also nicht länger als 6 Monate bei einem Arbeitgeber arbeiten usw.

Wie lange hat es gedauert, bis er durch war und du das De-Facto Visum hattest?

Irina: Es hat etwa 6 Monate gedauert.

Du hast inzwischen wahrscheinlich PR oder bist sogar Citizen, oder? Wie lief da der Übergang vom Partnervisum? Relativ unkompliziert oder eher stressig?

Irina: Zunächst erhielt ich ein Temporäres Visum, das 2 Jahre gültig war. Nach den 2 Jahren mussten wir nachweisen, dass wir noch immer ein glückliches Paar sind. Also noch einmal jede Menge Dokumente einreichen! Dieses mal war es aber einfacher, weil wir inzwischen gemeinsam ein Grundstück besaßen, dort gemeinsam lebten und einen Sohn hatten.

„Die australische Staatsbürgerschaft erhielt ich vor 4 Jahren. Das einzige komplizierte daran war, dass ich nach Kalgoorlie fahren musste (4 Stunden Autofahrt entfernt), um den erforderlichen Test dafür durchzuführen. Die Zeremonie konnte später in meiner Stadt abgehalten werden.“

Komplizierter wäre es gewesen, wenn ich die doppelte Staatsbürgerschaft beantragt hätte. Ich habe mich nach langem Überlegen dagegen entschieden und meine deutsche Staatsbürgerschaft abgegeben.

Wie hast du deine ganzen Sachen von Deutschland nach Australien gebracht, per Container? Oder hattest du das Meiste eh schon in Deutschland verkauft und bist in Australien quasi bei Null neu gestartet?

Irina: Während meines Studium besaß ich nicht viele Dinge. Einige Möbel habe ich verkauft und viel Kleinkram an Freunde verschenkt. Nur die Dinge, die mir sehr am Herzen lagen, habe ich behalten und in 5 großen Umzugskartons verpackt. Ich schickte die Kartons mit einem Schiff in einem Container. Leider wusste ich vorher nicht, dass ich pro m² bezahlen musste. Ich hatte nur ½ m² ausgenutzt, musste aber für 1 m² bezahlen. Ich hätte mehr mitnehmen können!

Was gefällt dir an Australien besser als an Deutschland?

Irina: Ich liebe die freundlichen, hilfsbereiten Aussies, mit denen man sich jederzeit über alles unterhalten kann. Ich mag es, dass es hier nicht so oft so grau ist und dass man sich meist im Freien aufhalten kann. Die Natur ist atemberaubend und so abwechslungsreich.

„Am meisten gefällt mir, dass Australien noch so viel Platz hat, wo kein Mensch wohnt.“

Meine große Leidenschaft ist das Gärtnern, was hier auch viel besser klappt als in Deutschland, weil man das ganze Jahr lang anbauen kann und fast jedes Haus einen kleinen Garten hat.

Irinas Garten in Australien

Irinas Lieblingsbeschäftigung in Australien, ihr Garten.

Was fehlt dir oder mit was konntest du dich bis heute in Australien nicht so richtig anfreunden?

Irina: Was ich aus Deutschland vermisse, könnt ihr in meinem Artikel ‚Was ich als Auswanderer aus Deutschland vermisse‚, auf meiner Webseite Aussiebuschfunk.net nachlesen.

Es gibt auch Dinge in Australien, die mich in den Wahnsinn treiben:

  1. Die jetzige Regierung hat keinen Respekt vor Australiens Naturwunder. Was gerade z.B. mit dem Great Barrier Reef passiert, regt mich so auf!
  2. Recycling ist noch immer nicht „normal“ für viele Aussies. Viele kleine Orte haben keine Möglichkeit zum Recyceln und alles kommt auf die Müllhalde.
  3. Es gibt hier noch immer nicht genügend Ökoprodukte. Da hinkt Australien Deutschland gegenüber weit hinterher. Die Ökoprodukte, die man kaufen kann, sind sehr überteuert.
  4. Das Gesundheitssystem in Australien ist nicht so toll, besonders in kleinen Orten. Bei uns in Esperance gab es vor einiger Zeit nicht genügend Ärzte und es wurden keine neuen Patienten in den Arztpraxen angenommen. Jeder neue Einwohner musste entweder nach Perth (800km entfernt) zum Arzt oder für jede Kleinigkeit stundenlang in der Notaufnahme warten.
    Für viele Gesundheitsprobleme gibt es bei uns keine Spezialisten und man muss auch dafür nach Perth fahren. Mein Partner hat seit 3 Jahren Borreliose. Australien behauptet schlichtweg, das es diese Krankheit hier nicht gibt. Aber darüber könnte ich ein Buch schreiben…

Wenn du jetzt noch einmal nach Australien auswandern müsstest, gibt es etwas, das du anders oder besser machen würdest?

Irina: Es hat ja am Ende alles gut geklappt, also warum sollte ich es anders machen? Ich würde aber jedem raten, der auch als De-Facto Partner auswandern möchte, ein Jahr lang ordentlich zusammen zu leben und alle Rechnungen, Bankkonten und Mietverträge auf beiden Namen laufen zu lassen. Es gibt allerdings inzwischen 2 Alternativen:

  1. Man muss die De-Facto-Partnerschaft nicht für die 12 Monate vor der Antragstellung nachweisen, wenn man die Beziehung in Australien registriert hat.
  2. Man kann heutzutage ein Prospective Marriage Visum beantragen und dann innerhalb von 9 Monaten nach Visagewährung in Australien heiraten.

Kannst du dir vorstellen, irgendwann mal wieder nach Deutschland zurückzukehren?

Irina: Nein, ein Leben in Deutschland kann ich mir nicht mehr vorstellen. Nach 4 Wochen Urlaub in Deutschland habe ich wieder Heimweh nach Australien. Australien ist jetzt meine Heimat und ich bin ein Aussie!!!

Wollt ihr mehr über Irina wissen?

In ihrem Blog, Aussie Buschfunk, schreibt sie über ihr Leben im australischen Busch und gibt ihre Erfahrungen zum Auswandern weiter. Außerdem verrät sie Tipps für den nächsten Australienurlaub. Schau doch mal vorbei!

About Author

Chrissy

Ich komme ursprünglich aus München und arbeite, wenn ich nicht gerade an dem RausnachAUS Blog schreibe, als Web Designer. Eine meiner grössten Leidenschaften ist das Reisen und ich lebe seit mittlerweile 4 Jahren in der europäisch(st)en Metropole Australiens, Melbourne.

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