Ich bin mit über 40 Jahren nach Australien ausgewandert

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Claudi (47) hat schon seit ihrer Kindheit von Australien geträumt. Sie wurde 2009 vom Department for Child Protection im Bereich ‚Social Work‘ gesponsert und lebt momentan in Perth, WA.

Wie hat es dich denn nach Australien verschlagen und wie lange bist du jetzt schon hier?

„Ich war eigentlich schon immer irgendwie in Australien verliebt.“

Claudia: In meinem Jugendzimmer in Deutschland hing damals eine grosse Karte von Down Under an der Wand und in einer Ecke standen ein Stoffkoala und ein Känguru. Ich bin jetzt inzwischen seit 6 1/2 Jahren hier, es hat aber lange gedauert bis ich wirklich den Mut gefunden habe meinen Traum vom Auswandern auch zu verwirklichen.

So richtig angefangen hat eigentlich alles 2006. Ich bin Erzieherin und hatte damals eine Stelle in Deutschland bei einer Familie mit zwei Kindern. Als die dann irgendwann alt genug waren musste ich mich nach einem neuen Job umschauen und da dachte ich, es ist eigentlich mal Zeit für was Neues. Ich war damals 39 oder 40 und irgendwie ist meine Neugier fürs Reisen wieder entfacht und ich hatte den Drang, einfach mal weg zu kommen. Ich scharrte sozusagen geradezu mit den Füssen. (lacht)

Ich habe dann ein Jahr lang überlegt und Informationen gesammelt und habe auch versucht eine Reisepartnerin zu finden, was aber nicht geklappt hat. Im September 2007 habe ich mich dann entschieden, dass ich einfach alleine losziehe. Ausgestattet mit einem Around-the-world Ticket habe ich vorher noch einen Abstecher nach Asien gemacht und bin dann Januar 2008 mit einem Touristenvisum nach Perth eingereist. Mein Plan war, ein halbes Jahr Australien zu erkunden und dann noch einmal 6 Monate dranzuhängen und in der Zeit einen Job zu suchen. Zum Touristenvisum muss man allerdings auch wissen, dass es zwar ein Jahr gültig ist, man aber nach 6 Monaten erstmal das Land verlassen muss um es noch mal verlängern zu können. Ich bin dann einen Monate nach Neuseeland um Freunde zu besuchen und schließlich wieder zurück nach Australien eingereist.

Da hattest du dich wahrscheinlich auch schon über verschiedene Visas schlau gemacht, oder?

Claudia: Ja genau, ich hatte viel im Internet und auf der Seite des Immigration Departments gelesen und wusste ganz gut über das 457 Bescheid. Ich habe mein Glück dann in Perth probiert weil mir die Stadt einfach sehr sympathisch war und ich mich dort gut auskannte. Quasi jeden Tag bin ich dort in der Bibliothek gesessen, habe das kostenlose Internet genutzt und mich auf Stellen beworben die ich online oder in der Zeitung gefunden habe.

„Innerhalb von drei Monaten habe ich ungefähr 70 Bewerbungen geschrieben.“

Das ist vielleicht für einen Deutschen nicht so viel aber ich kenne keinen Australier der in seinem ganzen Leben schon 70 Bewerbungen geschrieben hat. (lacht) Das waren dann natürlich auch alles nur Stellen in meinem Bereich, also alles in Richtung Sozialpädagogik, Social Work oder Child Care, und nur in Western Australia.

Wer hat dich denn dann im Endeffekt gesponsert und wie lief das ab?

Claudia: Ich bekam eine Rückmeldung vom Department for Child Protection und hatte erst mal ein recht inoffizielles und nettes Gespräch. Darauf folgte ein weiteres, etwas offizielleres Telefoninterview bei dem auch einige andere Departments zugeschaltet waren. Die haben mich dann eine Stunde interviewed und ich weiss noch, dass ich es schrecklich fand. Mein Englisch war schon ganz ok aber am Telefon ist es natürlich immer etwas anders wenn man den Leuten nicht persönlich gegenübersitzt. Kurze Zeit später bekam ich dann tatsächlich die Zusage für den Job, da ist mir erst mal ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Das Ganze war eine sehr nervenaufreibende Zeit für mich damals, weil ich ja wusste mein Touristenvisum läuft in zwei Monaten aus und die Zeit tickt.

Hatte dein Arbeitgeber dir dann das 457 vorgeschlagen oder ging das von dir aus? 

Claudia: Ich hatte mich damals schlau gemacht und hatte auch in meinen Cover Letter ganz offen reingeschrieben, dass ich ein 457 Visum brauche um hierbleiben zu können. Das Department hatte auch schon vorher mal jemanden gesponsert und daher wussten sie genau wie das abläuft. Ich hatte auch einen ganz guten Kontakt bei der HR Abteilung der Firma, die kannten sich sehr gut aus, und da hatte ich einen Ansprechpartner für alle meine Fragen. Mit dem Immigration Department hatte ich nie direkt Kontakt, es lief alles direkt über meinen Arbeitgeber.

Kamen bei der Visums Beantragung irgendwelche Kosten auf Dich zu?

Claudia: Mein Arbeitgeber hat fast alles übernommen, ich musste eine minimale Zuzahlung von $250 oder so leisten. Das 457 habe ich dann auch erst mal nur für ein Jahr bekommen und es wurde dann später nochmal um ein weiteres Jahr verlängert. Die Verlängerung ging auch ohne jegliche Probleme.

Wie lange hat es von der Beantragung bis zur Bewilligung des 457 gedauert?

„Die Bearbeitungszeit war relativ kurz und hat nur gefühlte 2 Wochen gedauert.“

Claudia: Der ganze Prozess, vom ersten Interview bis zur Bestätigung des Visums, hat sich über circa 2 oder 3 Monate hingezogen, aber ich hatte auch Firmenintern noch mal schnell die Stelle gewechselt bevor die Visumsbewerbung raus ging. Ich sollte zuerst in einer sehr kleinen Aboriginal Community in „der Nähe“ von Kalgoorlie eingesetzt werden. Das ist 600km östlich von Perth aber meine Stelle wäre dann nochmal 500km nördlich von Kalgoorlie gewesen, also in der absoluten Pampa, im Busch sozusagen. Das Department for Child Protection hatte mir dann aber noch einen anderen Job in Geraldton angeboten, was zwar auch relativ ländlich ist aber lange nicht so isoliert wie Kalgoorlie. Natürlich habe ich diese Stelle dann bevorzugt.

Hat es dir in dem Job gefallen und würdest du deinen Arbeitgeber anderen Leuten weiterempfehlen?

Claudia: Mein Job war kein Zuckerschlecken, es waren ziemlich stressige 2 1/2 Jahre. Die Stelle selber kann ich jetzt so an sich nicht weiterempfehlen aber mit meinem Arbeitgeber lief visumstechnisch immer alles super. Von dem her kann ich das Department for Child Protection empfehlen, meinen speziellen Job dort allerdings nicht so sehr.

Man hört ja immer wieder Geschichten von Leuten, die auf einem 457 angeblich nicht fair bezahlt bzw. unterbezahlt werden. Hat das Gehalt für dich in deinem Job gepasst?  

Claudia: So viele Gedanken hatte ich mir über das Geld gar nicht gemacht, die Hauptsache war für mich in Australien bleiben zu können. Das Gehalt war in etwa gleich mit meinem damaligen deutschen Gehalt von dem her war es total ok für mich. Man muss auch dazu sagen, dass man vom Government bestimmte Benefits bekommt wenn man hier in Western Australia in einem regionalen Gebiet arbeitet.

Hast du das Gefühl deine Lebensqualität hat sich in Australien im Vergleich zu Deutschland verbessert?

Claudia: Das ist eine schwierige Frage. Ich kann mir hier in Perth zum Beispiel keine Wohnung oder kein Haus alleine leisten. Ich finde aber nicht, dass meine Lebensqualität dadurch eingeschränkt ist. Mir gibt es unglaublich viel, dass ich hier in Australien so viel Zeit draussen im Freien verbringen kann. Ich habe auch irgendwann mal einen Kostenvergleich gemacht mit Einnahmen und Ausgaben und das hat sich im Vergleich mit Deutschland relativ gedeckt.

Bist du momentan auch noch auf deinem 457 Visum?

Claudia: Nein, ich bin inzwischen auf einem permanentem Visum. Nachdem ich zwei Jahre lang für meinen Arbeitgeber gearbeitet hatte, konnte ich mich auf das gesponserte (aber permanente) Visum bewerben. Das nennt sich ENS und steht für Employer Nomination Scheme. Die Unterlagen dafür hatte ich damals alle selber zusammengetragen und auch den Visumsantrag selber eingereicht. Für den Antrag hatte ich auch einige Fragen bei denen ich dann ganz hilfreiche Tipps bekommen habe, als ich beim Immigration Department angerufen habe. Drei Wochen nach der Beantragung habe ich dann die Bewilligung für die Permanent Residency bekommen. Ich war der glücklichste Mensch der Welt!

Was wäre dein persönlicher Tipp für jemanden der sich für ein 457 interessiert?  

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Visum – nur nicht aufgeben.“

Claudia: Wenn du dich bemühst, alles dran setzt, hart dafür arbeitest und an dich glaubst, dann sind die Chancen gut, dass du es auch schaffst.

About Author

Chrissy

Ich komme ursprünglich aus München und arbeite, wenn ich nicht gerade an dem RausnachAUS Blog schreibe, als Web Designer. Eine meiner grössten Leidenschaften ist das Reisen und ich lebe seit mittlerweile 4 Jahren in der europäisch(st)en Metropole Australiens, Melbourne.

1 Kommentar

  1. Ich finde es klasse, dass deine „Weltreise“ nach Australien dich auch nach Asien gebracht hat. Hast du das Round the World Ticket denn noch nach deiner Ankunft in Australien für Inlandsflüge oder Abstecher nach Neuseeland genutzt, oder war es wirklich nur dafür da, dass du erstmal nach Australien kommst? Ich finde es auf jeden Fall super interessant! Klasse Blogeintrag 🙂

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