Von der Firma nach Australien versetzt

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Rainer, 36, wurde Anfang 2012 von seinem Arbeitgeber in Europa auf einem 457 Visum (auf Wunsch) nach Australien versetzt. Er ist mit seiner Frau nach Melbourne gezogen und konnte nach zwei Jahren bei der gleichen Firma über das Employer Nomination Scheme auf das permanente 186 Visum wechseln.

Wie seid ihr denn überhaupt auf und nach Australien gekommen? 

Rainer: Ich bin bei einer belgischen Firma angestellt und war damals in Europa für eine spezielle Druckmaschine zuständig. Die habe ich mit vielen Leuten zusammen entwickelt und musste deshalb auch wahnsinnig viel reisen. Ich bin öfter zu einem Kunden nach Australien geschickt worden, um mich dort vor Ort um die Maschine zu kümmern, sie zu reparieren und in Stand zu halten.

„Weil ich eh schon so oft beruflich in Down Under war, kam irgendwann der Vorschlag von meiner Freundin, ob es nicht möglich wäre, nach Australien auszuwandern, bzw. einfach mal eine Zeit lang dort zu wohnen.“

Nach einem kurzen Gespräch mit unserer Geschäftsleitung wurde mir tatsächlich auch relativ bald das ok dafür gegeben. Alles was die dazu gesagt haben war quasi “Klar, kein Thema.”

Wie konnten die dich sponsern wenn das eine belgische Firma ist?

Rainer: Das war ganz einfach da es eine sehr große, internationale Firma ist, die auch hier in Australien als Business registriert ist. Wir haben weltweit circa 5000 Mitarbeiter, da war ich natürlich auch nicht der Erste, der gesponsert wurde. Die hatten das vorher schon mal gemacht.

Als es dann ums Visum ging, hattest du dich da schlau gemacht oder kam der Vorschlag fürs 457 von deinem Arbeitgeber?

Rainer: Die sind zu mir gekommen und haben gesagt: „Wir machen das über das 457 Visum. Das ist so das ‚Standard Visum‘, das wir normalerweise für solche Sachen benutzen, wenn wir Leute aus Europa abziehen.“ Ich habe die Konditionen von einem deutschen Anwalt gegen checken lassen und ein Migrationsanwalt in Australien hat die ganzen Formalitäten für uns erledigt. Meine Frau wurde einfach als Partner eingetragen und hat dadurch auch unbeschränktes Arbeitsrecht in Australien erhalten.

Das ist ja super für euch gelaufen. Wie habt ihr eure ganzen Sachen nach Australien bekommen und wie lief das mit dem Umzug?

Rainer: Ja, es ist super gelaufen. Wir hatten ja auch noch eine Wohnung in Deutschland, aber es wurde einfach eine Umzugsfirma angeheuert, die alle unsere Sachen in der Wohnung in einen Container gepackt und hier rüber geschifft hat. Die haben die Gläser ausgeräumt, meine Unterhosen eingepackt… (lacht) – innerhalb von ein paar Stunden war die Wohnung leer.

Es gab dann nur das Problem, dass die Container angekommen sind und wir noch keine Wohnung hatten. Mein Arbeitgeber war aber auch da sehr hilfreich. Es ist dann einfach alles zwischengelagert worden bis wir ein Haus gefunden hatten.

Hat die Firma die Kosten für den Umzug übernommen?

„Ja, sie haben die gesamten Umzugs- und Visumskosten plus unsere Flüge übernommen und haben uns am Anfang einen Monat lang das Hotel gezahlt.“

Du hattest dann quasi den riesen Vorteil, dass du deinen Arbeitgeber schon kanntest.

Rainer: Ja klar, ich habe eigentlich nur das Land gewechselt. Mir gefällt es bei der Firma auch richtig, richtig gut. Sagen wir mal so… ich wäre nicht nach Australien gezogen, wenn mein Arbeitgeber nicht gesagt hätte, dass sie mich relativ problemlos versetzen können. Natürlich genießen meine Frau und ich gerade das Leben im Ausland aber wir hatten nie das Ziel, dass wir unbedingt in Australien leben müssen. Das mit dem auswandern hat sich eigentlich alles einfach so ergeben.

In welcher Branche arbeitest du genau?

Rainer: Mein offizieller Jobtitel lautet momentan Research and Development Service Engineer. Ganz am Anfang als ich nach Australien gekommen bin, habe ich ganz alleine die Druckmaschinen repariert, dann wurde ich zur Team Leitung befördert und arbeite jetzt als Manager. Ich bin mir nicht sicher, ob das in Europa auch so schnell möglich gewesen wäre. Mir kommt vor, in Australien hat man schon ganz gute Karrierechancen, wenn man sich richtig reinhängt.

Hattest du das Gefühl es ist gehaltstechnisch alles fair gelaufen für dich?

Rainer: Ja auf jeden Fall, gar keine Frage.

Was ist dein persönliches Fazit wenn du das Leben in Deutschland mit Australien vergleichst?

Rainer: Wir vermissen unsere Familie schon sehr. Es ist auch nicht ganz so einfach wie wir gedacht haben, hier neue Freunde  zu finden, also richtig gute Freunde meine ich. Wir werden definitiv nicht für immer hier bleiben, ich will irgendwann auch mal wieder zurück in die Heimat. Von dem her ist es eigentlich auch erst mal nur ein Auswandern auf Zeit. Unser grober Plan ist das nächste Jahr noch hier zu bleiben und dann mal zu schauen.

Eine Sache, die in Australien aber definitiv schöner ist als in Deutschland, ist die Natur. Das ist schon super hier.

Bist du und deine Frau momentan noch auf dem 457 Visum?

Rainer: Nein, wir sind seit kurzem auf einem permanenten Visum, dem 186. Als wir das beantragt haben, hatten wir vorher gehört, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, bis man es genehmigt bekommt. Bei uns ging es aber Ruck Zuck. Innerhalb von 3 Monaten hatten wir die Bestätigung vom Immigration Department. Es war total easy.

Wir hatten uns ja damals für das 457 einen Anwalt genommen weil wir in Deutschland waren. Jetzt für die permanente Aufenthaltserlaubnis haben wir das aber nicht gemacht, sondern alles alleine ausgefüllt und abgeschickt. Meine Freundin ist gerade schwanger und für uns war die Permanent Residency einfach von dem her so unglaublich wichtig, weil wir wollten, dass unser Kind die australische Staatsbürgerschaft bekommt. Das geht aber nur, wenn die Eltern auf einem permanenten australischen Visum sind.

„Wenn meine Freundin und ich „nur“ auf einem 457 gewesen wären, dann hätte unser Kind kein Anrecht auf die australische Staatsbürgerschaft gehabt.“

Das 186 gibt uns auch mehr Sicherheit. Sollte ich jetzt, aus welchen Gründen auch immer, zum Beispiel die Firma wechseln wollen, geht das ohne Probleme. Man ist dann einfach nicht mehr so sehr gebunden wie mit dem 457.

Was ist dein Tipp für Leute, die sich auf ein 457 Visum bewerben wollen und kannst du das Visum generell weiter empfehlen?

Rainer: Wir hatten wie gesagt absolut null Probleme mit der Visa-Beantragung.

Sagen wir es mal so… Wenn ihr nach Australien kommen wollt würde ich das nur über ein 457 Visum machen, wenn euch euer bisheriger Arbeitgeber sponsert. Nur dann macht es meiner Meinung nach Sinn und dann ist auch die Chance am höchsten, dass ihr

1. keine Probleme mit der Firma habt (weil ihr sie schon kennt und sie euch),

2. euch die Arbeit gefällt und ihr nicht irgendwas macht nur im Australien sein zu können,

3. ihr die Chance minimiert, dass irgend etwas schief läuft und ihr plötzlich mit 90 Tagen Restzeit auf der Strasse steht.

Die ganze Sache hat auch extrem mit Vertrauen zu tun und das hat man nur, wenn man sich gegenseitig schon kennt, soll heißen wenn die Firma weiß was du kannst und du weißt, wie es in der Firma zugeht.

Meiner Meinung nach ist es nicht richtig, das 457 als Mittel und Zweck herzunehmen, nur um in Australien bleiben zu können. Wenn man hinter einem ‘x-beliebigen’ Job her ist, dann sind Probleme fast schon vorprogrammiert. Wenn man den Arbeitgeber vorher kennt und alles abgeklärt hat, dann ist es eine ganz andere Story.

Ich würde Leuten auch empfehlen, sich extrem gut über Lebenshaltungskosten in Australien schlau zu machen. Es ist alles teuerer hier als in Deutschland und das muss man wissen, bevor es an die Gehaltsverhandlung für einen Job geht.

About Author

Chrissy

Ich komme ursprünglich aus München und arbeite, wenn ich nicht gerade an dem RausnachAUS Blog schreibe, als Web Designer. Eine meiner grössten Leidenschaften ist das Reisen und ich lebe seit mittlerweile 4 Jahren in der europäisch(st)en Metropole Australiens, Melbourne.

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